Einfamilienhaus in Dortmund

Außenansicht Einfamilienhaus

© Thomas Meyer, Neuss

Die Bauherren – ein junges, architekturinteressiertes Ehepaar – hatten im Verlauf von einigen Jahren und auf vielen Reisen genaue Vorstellungen zu ihrem Haus entwickelt. Licht in Form von Tages- und Kunstlicht spielte die zentrale Rolle in diesen Überlegungen: Es gab Vorgaben zum Raumprogramm, zu genauen Raumbeziehungen, zum Ausblick, sogar ein Grundrisskonzept – alles Durchdrungen von genauen Vorstellungen zur Tages- und Kunstlichtinszenierung der Innen- und Außenräume. Das Licht wurde in diesen Überlegungen zur 4. Dimension der Architektur. Dazu hatten die Bauherren einige hundert atmosphärische Fotos und genaue Beschreibungen, wie Situationen des täglichen Lebens im Haus erlebt werden sollen zusammengetragen. Der Charakter des Hauses sollte nicht repräsentativ sein, sondern eher dem Leitmotiv eines modernen, entspannten und unprätentiösen Bungalows im Grünen folgen. Nach langer und intensiver Suche wurde auch endlich ein Grundstück gefunden, welches durch seine exponierte Lage die Anforderungen nach Sonnenlicht und Weitblick erfüllen konnte. Was zum Projektstart fehlte war ein architektonisches Konzept, dass alle Details und Anforderungen in eine Gestalt brachte und die Verbindung zum gefundenen Baugrund herstellte.

Auf der Suche nach einem geeigneten Architekten waren es der Bericht im WDR-Fernsehen zum Tag der Architektur 2009 über das Büro Heiderich Architekten und ein Nachmittag in den Gebäuden des Architekten in Lünen, die das Team um Martin Heiderich für die Bearbeitung der Aufgabe favorisierten. Schon die ersten Gespräche zeigten, daß die Detailliebe des Architekten und der Bauherren zu einem sehr intensiven Projektverlauf mit vielen Diskussionsstunden führen würde.

Dabei erwies es sich als sehr nützlich, dass Martin Heiderich in der Begleitung von etwa 1.000 Studienentwürfen während der Tätigkeit am Lehrstuhl Prof. Bofinger an der Universität Dortmund weitreichende Erfahrungen darin gesammelt hat, die Intention eines Entwurfs zu erkennen und zusammen mit dem Verfasser zu einem schlüssigen Gebäude zu entwickeln, ohne dabei selbst die Federführung zu übernehmen oder das Konzept grundsätzlich in Frage zu stellen. Entwerfen im Team, jedoch ohne Kompromisse.

© Thomas Meyer, Neuss

Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist ein sehr individuelles Hauskonzept, in dem sich alle Beteiligten wiederfinden. Eine additive Baukörperkomposition aus einem steinernen Sockel und einer gefalteten champagnerfarbenen Metallplatte, die einen halbtransparenten Holzquader umgreift und über dem gläsernen Wohnbereich schwebt.

Die weitere Planung war insofern einfach, da die meisten Entscheidungen konsequent dem Konzept folgten. Die streng formalistischen Regeln der Baukörperkomposition und die Vorliebe für sorgfältig ausgewählte Materialien und Einbauten erinnern an Bauten aus den 60er und frühen 70er Jahren. Die wesentlichen Materialen reduzieren sich auf Eiche, Ziegelsteine, Grauwacke und Aluminium. Farblich war vieles erlaubt, jedoch eines verboten: grau.

Dem Eingangsbereich links und rechts zugeordnet sind zum einen Kellerersatz- und Hauswirtschaftsraum, zum anderen der Arbeitsbereich. Das Büro hat einen eigenen Freibereich im Durchgang von der Zufahrt zum Garten. Vom Eingangsbereich geradeaus sind Küche, Wohn- und Essbereich als fließender Raum in dem die Geschosstreppe als zonierendes Element bei Tag und Lichtskulptur bei Nacht steht. Im Obergeschoss befinden sich der Schlafraum mit dem überragenden Blick über das Ruhrgebiet, eine Ankleide und das großzügige Bad.

Die Außenanlagen beinhalten Terrassen für unterschiedliche Tages- und Jahreszeiten und verzahnen das Haus mit dem Grundstück. Große Schiebetüren lösen die Abtrennung von Innen- und Außenbereichen auf und überdachte Freisitze ergänzen das Raumprogramm. Vor dem Wohnbereich gibt es einen Naturpool mit einem Eichenholzdeck.

© Thomas Meyer, Neuss

Die Ziegelsteine des Erdgeschosses kommen aus dem Münsterland und wurden wegen ihres braunen Tons und der beim Brand entstehenden kleinen goldfarbenen Einschlüsse ausgewählt.

Die Fenster sind aus Eichenholz mit einer Aluminiumschale auf der Außenseite im Eloxalton C34. Die Aluminiumverkleidung des Obergeschosses im Eloxalton C32 hat eine Teilung im Gebäuderaster von 1,75m.

Die Holzverkleidung des Obergeschosses besteht aus thermisch behandeltem Pappelholz. Außenanlagen sind bestimmt von einfachen naturbelassenen Betonoberflächen und einer grundsätzlich horizontalen Gestaltung. Fußböden und ausgewählte Möbelteile wurden in geräucherter deutscher Eiche ausgeführt. Die Grauwacke, auf allen beanspruchten Flächen auf Fußböden und Wänden im Eingangsbereich und in den Nassbereichen verbaut, kommt aus dem nahen oberbergischen Land. Andere Einbauten wurden zumeist mit matter weißer Lackierung beschichtet.

Die komplette Möblierung wurde mit Ausnahme von Stühlen und einem Tisch eigens für das Gebäude entworfen. So wird die Küchenzeile in Ihrer Faltung über eine kleine Bibliothek bis in das Büro zu einem zentralen raumgliedernden Element.

Erfahre hier mehr über das Projekt.

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