Wie Entwässerungssysteme Brände verbreiten. Oder verhindern.
Es ist ein Szenario, das niemand erleben möchte: Man übernachtet in einem angenehmen Hotel und wacht plötzlich in einem verrauchten Zimmer auf. Hilfe, es brennt! Die Flammen breiten sich unglaublich schnell von Stockwerk zu Stockwerk aus. Erstaunlich ist nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch der unvorhersehbare Weg – wenn sich das Feuer beispielsweise entlang der Abwasserleitungen ausbreitet. Was war die Ursache? Wurde der Brandschutz wirklich berücksichtigt?
Leider ist dies nicht immer der Fall. Immer wieder wird Brandschutz im Bereich der Entwässerungssysteme vernachlässigt. Trotz verbindlicher Vorschriften.
Warum ist Brandschutz in der Entwässerung so wichtig?
In Sonderbauten wie Hotels ist ein wirksamer Brandschutz essentiell. Es geht um das Leben und die Sicherheit der Menschen. Daher werden an den Brandschutz in Sonderbauten, in öffentlichen Gebäuden oder in Wohnanlagen besondere Anforderungen gestellt.
Jedes Hotelzimmer gilt baurechtlich als eigenständige Nutzungseinheit und muss mit einer entsprechen Feuerwiderstandsdauer voneinander getrennt werden. „Dies ist auch im Entwässerungsbereich z. B. bei bodengleichen Duschtassen zu berücksichtigen. Man benötigt eine Abschottung im Bereich der Geschossdecken oder im Bereich der Zimmertrennwände. Das ist für die Entwässerung sehr wichtig und in der Vergangenheit oft vernachlässigt worden“, erläutert Manfred Lippe, von der IHK Mittlerer Niederrhein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für den baulichen und anlagentechnischen Brandschutz. Das sogenannte Deckenabschottungsprinzip für Leitungsanlagen und Bodenabläufe ist Teil der Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR).
© Dallmer GmbH + Co. KG
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Entwässerungstechnik im Brandschutzkonzept
Das Brandschutzkonzept ist eine wichtige Grundlage für die Planung von öffentlichen Gebäuden. Es berücksichtigt alle für das jeweilige Gebäude brandschutzrechtlichen Anforderungen und wird Bestandteil der Baugenehmigung. Die Entwässerungstechnik nimmt im Brandschutzkonzept einen nur sehr knappen Teil ein. „Meistens steht zur Entwässerungstechnik nur im Konzept: Die Leitungsanlagen-Richtlinie ist als baurechtliche Planungs- und Ausführungsgrundlage umzusetzen. Damit ist aus brandschutzrechtlicher Sicht alles beschrieben“, erklärt Manfred Lippe. Das Konzept wird von einem Brandschutzplaner erstellt. Außerdem sind Architekt, Statiker und die Planungsbüros TGA involviert.
Jens Willmes ist einer der Geschäftsführer des familiengeführten Planungsbüros ISW Ingenieurgesellschaft mbH Schmidt & Willmes mit Sitz in Arnsberg, Hamm und Bochum. „Wir haben uns auf technische Ausrüstung spezialisiert. Unser Schwerpunkt sind Nichtwohngebäude wie Schulen, Kitas und Krankenhäuser, aber auch große Wohngebäude wie beispielsweise Studentenwohnheime“, erzählt Willmes.
Wenn es um den Brandschutz für den Entwässerungsbereich geht, seien für ihn als TGA Planer vor allem die Rohrleitungsdurchführungen in klassifizierten Bauteilen relevant. „Das heißt: Welche Wand und welche Decke sind wie klassifiziert? Wo besteht eine Anforderung an die Durchführung von Rohrleitungen wie wasserführende Leitungen, Elektroleitungen, Entwässerungs- und Lüftungsleitungen und sonstige Medien?“, so Willmes. „Durchführungen von Rohrleitungen durch klassifizierte Bauteile sind unsere häufigsten Anwendungsfälle im Bereich Brandschutz.“ Es sei wichtig, sich mit den Anforderungen an die Durchführung von Rohrleitungen intensiv auseinanderzusetzen.
© Jens Willmes
Schnittstelle zwischen baulichem und gebäudetechnischem Brandschutz
© Manfred Lippe
„Der Entwässerungsbereich ist im Brandschutzkonzept nur relativ knapp enthalten, führt aber sehr oft zu Mängeln. Viele Details werden nicht beachtet“, weiß Brandschutzexperte Manfred Lippe zu berichten. Das Problem sei, dass Brandschutz im Studium eines TGA Planers nicht abgedeckt ist und umgekehrt Brandschutzkonzeptersteller wenig Berührungspunkte zur TGA-Welt haben. „Das ist eine Schnittstelle, die nicht ganz einfach ist. Daher empfehle ich, dass TGA Fachplaner sich regelmäßig in diesen Schnittstellen zwischen dem baulichen und gebäudetechnischen Brandschutz fortbilden.
Es ist wichtig, dass sie darauf achten, dass die Schnittstellen im Rahmen der Planung und insbesondere im Rahmen der Umsetzung sauber eingehalten werden“, erläutert der Diplom-Ingenieur. Von Anfang an müssten sie brandschutztechnische Anforderungen regelkonform erfüllen und beachten. So sei es schon vorgekommen, dass bei Bodenabläufen und flachen Duschtassen einfach Kunststoff-Siphons ohne brandschutztechnische Eignung eingebaut wurden. „Wenn das von Vornherein nicht berücksichtigt wird, kostet es eine Menge an Geld, solche Fehler im Nachhinein zu korrigieren“, warnt Manfred Lippe.
Brandschutz für Bodenabläufe
Im vorbeugenden Brandschutz werden Kunststoffabläufe mit einem senkrechten Ablaufstutzen als Rohr- bzw. Deckendurchführungen angesehen, die abgeschottet werden müssen. Ansonsten kann sich im Brandfall das Feuer über die Entwässerungsleitungen ausbreiten. Um das zu verhindern, müssen alle Durchführungen dieser Art fach- und normgerecht gesichert werden. Ähnliches gilt auch für Flachdächer. Hier kann der Brand über die Dachabläufe auf das Dach überspringen.
Zur Abschottung von Deckendurchführungen bietet Dallmer installationsfertige Brandschutzelemente an. Kernstück dieser Elemente ist eine Brandschutzeinlage bestehend aus einer intumeszierenden Masse (im Brandfall aufschäumender Baustoff), die bei einer Hitzeeinwirkung von ca. 150 °C aufzuschäumen beginnt. Das Volumen des Materials vergrößert sich dabei um das 15- bis 20-Fache. Dadurch wird die Deckendurchführung schnell, zuverlässig und sicher verschlossen. Weder Wärme noch Flammen oder Rauch können sich über diese Durchführung weiter ausbreiten.
Fazit: Prävention statt Katastrophe
Der geschilderte dramatische Hotelbrand verdeutlicht eindrucksvoll die verheerenden Folgen eines unzureichenden Brandschutzes im Entwässerungsbereich. Nur wenn der Brandschutz im Entwässerungsbereich von Anfang an mitgedacht wird, kann die Sicherheit von Gebäuden und deren Nutzern gewährleistet werden. Nur so kann man verhindern, dass aus einem kleinen Feuer eine unkontrollierbare Katastrophe wird. Ein sorgfältig geplanter und umgesetzter Brandschutz rettet Leben – das sollten wir niemals vergessen.
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