Offene Mittelschule Enkplatz
© Patrick Johannsen
Zwei denkmalgeschützte Schulgebäude aus den 1960er-Jahren stehen am Enkplatz in Wien-Simmering nebeneinander. Bisher hatte keine der beiden Schulen darin ein eigenes, ablesbares Gesicht. Die Sanierung ändert das, ohne den Bestand zu überformen.
Der Ausgangspunkt war mehr als eine technische Erneuerung. Die Frage lautete: Wie bewahrt man den Charakter dieser Häuser und macht sie zugleich für einen zeitgemäßen Schulbetrieb bereit? Die Antwort liegt im genauen Hinsehen. Terrazzoböden, Holzhandläufe, Flügeltüren und Glasbausteine wurden aufgearbeitet oder an neuer Stelle wiederverwendet. Was den Geist der 1960er trägt, bleibt lesbar.
© Patrick Johannsen
Zwischen die beiden Gebäude setzt sich ein neuer Verbindungstrakt. Er nimmt Proportion und Rasterfassade des Bestands auf und fügt sich ein, statt sich abzusetzen. Sein Dach wird zur begrünten Pausenfläche mit Hochbeeten und Sitzplätzen, ein zusätzlicher Freiraum im dichten städtischen Kontext.
Im Inneren erhält jede Schule zwölf Klassen sowie Gruppen-, Kreativ- und Multifunktionsräume. Durch einen Lichtgraben und größere Fenster wird selbst das Untergeschoss zu einem hellen Lernort. Zwei getrennte Eingänge und ein durchgängiges Farbkonzept geben jeder der beiden Schulen erstmals eine ablesbare Identität. Die Speisesäle öffnen sich zum Hof und werden zum gemeinsamen Treffpunkt.
© Patrick Johannsen
Auch der Vorplatz wird neu gedacht: entsiegelt, mit neuen Bäumen und Sitzgelegenheiten, barrierefrei erschlossen. Photovoltaik auf den Dächern bringt die Gebäude energetisch auf einen aktuellen Stand.
So entsteht am Enkplatz kein neues Haus, sondern ein weitergedachtes. Zwei Schulen, ein gemeinsamer Ort.
- Fertigstellung 2026
- Enkplatz 4, 1110 Wien
- Auftraggeber: Stadt Wien, MA 56, vertreten durch WIP Wiener Infrastruktur Projekt GmbH
Generalunternehmer: Bauunternehmung Granit



