Forststation Deutschnofen

Kompakter Baukörper mit schwarzer Holzfassade und reduzierter Formensprache

© Oskar Da Riz

Holz als Haltung

Mit der neuen Forststation im Zentrum von Deutschnofen ist ein Verwaltungsbau entstanden, der aus dem Wesen seiner Nutzung heraus gedacht ist. Als Zentrale der lokalen Forstbehörde der Südtiroler Landesverwaltung steht das Gebäude exemplarisch für einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen, gebaut aus jenem Material, mit dem die tägliche Arbeit der Nutzer:innen untrennbar verbunden ist: Holz. Die Architektur orientiert sich an den ortstypischen zweigeschossigen Wohnhäusern mit Satteldach, reduziert ihre Form auf das Wesentliche, setzt damit einen bewussten Kontrast und tritt zugleich in Dialog mit dem Bestand.

Nutzung als Grundlage des Entwurfs

Die Forststation dient sowohl der internen Verwaltung als auch als Anlaufstelle für die Öffentlichkeit bei Anliegen rund um wirtschaftlich genutzte Flächen. Diese doppelte Funktion bestimmt die räumliche Organisation des Hauses: Im Untergeschoss befinden sich die Garage für die Dienstfahrzeuge, Umkleiden sowie Lager- und Nebenräume. Das Erdgeschoss ist die öffentlich zugängliche Ebene mit Eingang, Schalterbereich und den Büroräumen der Mitarbeiter:innen. Ergänzt wird diese Ebene durch ein Archiv sowie ein barrierefreies WC. Im Obergeschoss, unter dem Satteldach, liegt ein großzügiger Besprechungsraum mit Teeküche, der dank ausziehbarer Betten auch als Notfallzentrale genutzt werden kann.

© Oskar Da Riz

Holz aus Bauweise und Ausdruck

Die Entscheidung für eine konsequente Holzbauweise lag nahe. Deutschnofen ist eine der waldreichsten Gemeinden Südtirols: Holz ist hier allgegenwärtig, prägt die Umgebung und bildet die Grundlage der forstwirtschaftlichen Arbeit. Tragwerk, Wände und Decken bestehen aus Brettsperrholzplatten (XLAM). Holz wird dabei als tragendes, raumbildendes und identitätsstiftendes Element verstanden.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Gestaltung der Fassade. Ihre schwarze Lasierung nimmt Bezug auf traditionelle Holzschutztechniken, bei denen Holz durch thermische Behandlung widerstandsfähiger gemacht wird. Solche Techniken finden sich sowohl in der japanischen Baukultur, wo Holzoberflächen kontrolliert angebrannt werden, als auch in der regionalen alpinen Bautradition, in der Pfosten und Bauteile an erdberührenden Stellen angeflammt wurden, um sie vor Feuchtigkeit und Fäulnis zu schützen. Davon inspiriert erscheint die Forststation sinnbildlich wie in den Boden gerammt und übersetzt überlieferte Baukultur in die Zukunft.

© Oskar Da Riz

Nachhaltigkeit als konstruktive Ressource

Neben der Holzbauweise erfüllt das Gebäude den Klimahaus-Gold-Standard. Die Energieversorgung erfolgt über Wärmepumpen, die durch Photovoltaikpaneele am Dach gespeist werden. Alle eingesetzten Bauteile und technischen Anlagen entsprechen dem neuesten Stand der Technik und sind auf maximale Energieeffizienz ausgelegt.

Architektur als Beitrag

Der Bau verzichtet auf formale Gesten zugunsten einer stringenten Ausarbeitung von Nutzung, Material und Detail. In dieser Zurückhaltung liegt seine Qualität: Die Architektur wird zum funktionalen Werkzeug und zugleich zu einem architektonischen Beitrag zur aktuellen Diskussion um Nachhaltigkeit und Verantwortung im Bauen.

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