Werkbericht: Wohnhaus Braubachstraße 23 in Frankfurt — Besondere Anerkennung zum Deutschen Naturstein-Preis 2020

Ein gutes Stadthaus muss mehrere Maßstabsebenen bedienen können – von der großen städtebaulichen bis zur kleinteiligen, detailreichen bei größtmöglicher Annäherung: Auch für den Fußgänger unmittelbar an der Erdgeschossfassade muss noch etwas an Sinnlichkeit übrigbleiben.

Die Braubachstraße ist geprägt von der Farbe Rot, vom Buntsandstein der Region und vom Expressionismus des frühen 20. Jahrhunderts. Mittelbar, als Erinnerung, sollte auch die mittelalterliche Formenwelt der untergegangenen Altstadt eine Rolle spielen.

© Stefan Müller

Wir haben diese Einflüsse im Entwurf zu einer neuen „Melange“ verarbeitet: Das Haus verortet sich durch die Neukomposition der aufgegriffenen Spezifika aus der Umgebung selbst; es scheint zu einem typischen Frankfurter Haus geworden zu sein – obwohl es für diesen Habitus kein unmittelbares historisches Vorbild gibt.

Die intendierte Dauerhaftigkeit, die Farbe, die Formensprache und die verschiedenen Detailebenen konnten mit Naturstein, in diesem Fall Wüstenzeller Sandstein, optimal zum Ausdruck gebracht werden. Dabei ist eine vollflächige Steinbekleidung historisch gar nicht typisch für Frankfurt; traditionell wird dort Sandstein eher als Kontrastmaterial für Gewände und Gesimse verwendet.

Doch unser gefaltetes Fassadenmotiv verlangte nach einem authentischen, „ernsthaften“ mineralischen Material – das weit entfernt sein sollte von der allgegenwärtigen Verhartschaumung der gebauten Umwelt. Wichtig bei der Verwendung von Naturstein ist indes, das Wesen des Materials und die Gesetzmäßigkeiten seiner Fügung zu erfassen und richtig zu interpretieren. Dabei dürfen auch mal konstruktive Verrenkungen unternommen werden, wenn es stimmig und „architektonisch richtig“ aussieht. Beispiel: Bei unserem Haus in Frankfurt gibt es niemals Fugen an den positiven Kanten – auch wenn das mit sogenannten Hakensteinen erheblich aufwendiger herzustellen war.

Aber nur so konnte der gewünschte Eindruck eines monolithischen Baukörpers entstehen. Bauteilfugen an den Kanten hätten eine klapprige Tapete aus der Fassade gemacht.

Plastizität, Gliederung, Relief und Differenziertheit zu erlangen, ist nicht nur bei diesem Projekt ist unser Ziel. Und Stein eignet sich hierfür hervorragend, wenn man ihn „gut behandelt“ und nicht zur Fliese degradiert. Dazu ist er nämlich zu schade.

Autor: Peter Eingartner

Naturstein:
Fassade: Wüstenzeller Sandstein
Sockel: Lavabasalt
Spolie: Buntsandstein massiv
Foyer und Treppenhaus: Rosso Verona und Nero Assoluto

Kontakt:
Eingartner Khorrami Architekten BDA


 

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