Tierambulatorium Zirl Tierärztliche Praxis
© Büro Schmücking | Foto: Hyden Gabriel
An jenem schicksalsträchtigen Donnerstag, als Alexandra die Wurst-Fachverkäuferin des örtlichen Supermarktes ihrer Wahl, neben üblichen Verkaufsgesplänkel, bezüglich der dem Geschäft gegenüberliegenden Bauparzelle ausfratschelt, konnte sie nicht ahnen, was sie damit ins Rollen gebracht hatte.
Heute befindet sich dort das Tierambulatorium von Alexandra und Stefan Ferschl. Stefan, Fachtierarzt für Kleintiere, führte bislang eine räumlich begrenzte Praxis im Ort. Alexandra, mit Fokus auf Pferdemedizin und Osteopathie, war überwiegend mobil tätig und suchte zunehmend nach Möglichkeiten, therapeutische Arbeit stationär zu verankern.
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Der Bedarf war klar, die Formulierung ebenso:
„Einfach ein Raum.“
Diese Reduktion wurde zum Entwurfsansatz. Nicht im Sinne einer Vereinfachung, sondern als Aufforderung, die Anforderungen präzise zu lesen. Der Entwurfsprozess begann daher mit akribischer Beobachtung: Arbeitsabläufe, Wegeführungen, Blickbeziehungen für Mensch und Tier – vom alltäglichen Behandlungsbetrieb bis zur OP. Architektur entsteht hier aus der Logik der Nutzung. Ein „Modulor“ für Tier und
Mensch zu entwickeln.
Die Behandlungsräume sind linear angeordnet als halböffentliche Bereiche klar lesbar. Sensible Zonen wie Operations- und Vorbereitungsräume bleiben bewusst entzogen. So entsteht die notwendige Diskretion für alle Nutzer:innen. Den öffentlichen Bereichen kommt eine besondere Rolle zu. Sie sind als räumliche Angebote gedacht. In bewusster Abkehr zur üblichen Sterilität tiermedizinischer
Einrichtungen wurden diese Bereiche wohnlich gestaltet.
Materialität, Licht erzeugen eine Atmosphäre, die auch in angespannten Situationen Ruhe vermittelt. Eine schräg gestellte Wand verschränkt Außen- und Innenraum. Die geflieste Oberfläche reagiert auf Licht und Bewegung – erzeugt visuelle Tiefe, die den Übergang ins
Gebäude bewusst inszeniert. Das eingeschossige Gebäude in Holzleichtbauweise folgt konsequent der inneren Organisation. Das umlaufende Oberlichtband, vermittelt Licht und Transparenz. Die warme Holzoberfläche der CLT-Decke setzt sich vom Innenraum nach außen fort – spannt ein großzügiges Vordach auf, das den Baukörper subtil vom Boden löst und Dynamik verleiht. So löst sich der kompakte Baukörper von seiner typologischen Nähe zum Bungalow und erhält eine eigenständige architektonische Haltung, die Innen- und
Außenraum gleichermaßen präzise verknüpft.
Aus „Einfach ein Raum“ wurde „Ein einfacher Raum“ – im wörtlichen, wie im übertragenen Sinne.
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