Moments Tirol

© Hyden Gabriel

„Tirol“ ist in der Rolle der Bauherrin eine abstrakte Person. Eine Vielfalt von Menschen, Orten und Geschichten. So war es die Aufgabe mit den physischen Personen hinter dem Projekt diese abstrakte Unbekannte zu Denken und dabei Stereotype zu umgehen.
Über meine Rolle als Architekt hinaus verbinde ich auf ganz persönliche Weise bestimmte Empfindungen mit Tirol. Es fällt mir der Geruch von Heu auf sonnigen Berghängen ein, kalte Finger am Skilift, Kachelöfen und Kaspressknödel.
Euphorie und Tumult in der Innsbrucker Jugendkultur, die für Bewegung und Aufbruch stehen. Die Konstante dieser Erzählungen bleibt Authentizität. Es wäre ein Leichtes, die direkte Konnotation mit Tirol aufzugreifen und frech mit Lederhose und Konsorten zu schwingen. Jedoch besteht Tirol aus weit mehr als starken Traditionen und Brauchtum. So durften wir im „Moments“ eine Bandbreite an neu interpretierten Übersetzungen dieser Traditionen, als auch an Urbanität und Jugendkultur Tirols gestalten, ohne dem Kitsch zu verfallen.

© Hyden Gabriel

Diese Integrität wird durch die Verwendung echter Materialien erkennbar gemacht, die Dualität der Jugendkultur und des „Hoamatgfühls“ lässt sich in den ausgeführten Details der Sitzbänke, Präsentationstische und Lampenkonsolen, Kleiderständer und Lümmelboards
wiederfinden.
Eine ultragrob auflösende geologische Karte Tirols erzählt von zarter Bergluft und den schroffen Felsen, die mit ihr einhergehen. Unterschiedlich behandelte und eingefärbte Fertigteilplatten verkörpern dabei die häufigsten Gesteinsvorkommnisse Tirols und schaffen
einen Rahmen für Wechselausstellungen zeitgenössischer Tiroler Künstler:innen, akzentuiert mit eigens entwickelten Hängeleuchten.
Analog fungieren die Pfeiler der Bar und des Kassenmöbels als Zitat an die Kratzsteine an den Häusern der Innsbrucker Innenstadt. Der rote, geschliffene Beton ist dabei ein Wink zur früher im Stadtgebiet gewonnenen Höttinger Breccie, welche noch heute das Stadtbild prägt.
Die Pulswand in Vollholz wurde von Snøhetta (Standort Innsbruck) für die Lebensraum Tirol Gruppe entworfen und gehört zur architektonischen Identität der Marke Tirol.
Drei Felder, vertikal von der Decke abgehängter Lärchenschindeln, zonieren den vier Meter hohen Raum und lösen dessen Hallenwirkung auf. Ein Augenzwinkern hin zur alpinen vernakulären Architektur, die es zu schätzen, aber auch weiterzuentwickeln und neu zu denken gilt.
Entstanden ist ein Raum, der das ganze Land erzählt.
Alpin. Urban

© Büro Schmücking

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