„keep it simple“ – Infrarotheizung im Wohnungsbau

Projektreport K76: Infrarot-Direktheizung als hocheffiziente Low-Tech-Alternative

Moderne Vitramo Infrarotheizung sorgt für behagliche Wärme in einer hellen, offenen Wohnküche.
© VITRAMO / Thomas Ott

Der Wohnungsbau steht heute vor der großen Herausforderung, steigende Baukosten und komplexe Anlagentechnik miteinander zu vereinbaren. Das genossenschaftliche Wohngebäude K76 in Darmstadt liefert hierzu einen wegweisenden Lösungsansatz, da die Planer konsequent auf ein systemreduziertes Low-Tech-Konzept setzten. Das erklärte Ziel war die Minimierung von Investitionskosten und Energieverbräuchen, wobei gleichzeitig eine hohe Wohnqualität garantiert werden sollte. Das im August 2017 bezogene Gebäude mit 15 Wohneinheiten setzt diesen Ansatz konsequent um. Die gewählte Haustechnik verzichtet vollständig auf wassergeführte Systeme, da die Beheizung ausschließlich über Vitramo-Infrarotheizungen erfolgt. Flankiert wird dieses System durch eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung sowie dezentrale Durchlauferhitzer für die Trinkwarmwasserbereitung.

Langzeiterfahrung: Zehn Jahre erfolgreicher Betrieb als Alleinheizung

In der Fachwelt existieren oft Vorbehalte gegenüber rein elektrischen Heizsystemen, doch das Projekt K76 widerlegt diese Skepsis mit harten Fakten aus der Praxis. Infrarot ist in diesem Objekt als Alleinheizung bereits seit über 10 Jahren erfolgreich im Einsatz. Das System läuft seither absolut störungsfrei, weshalb es sich als vollkommen wartungsfrei erwiesen hat. Die Technologie hat ihre Praxistauglichkeit und die hohe Nutzerakzeptanz über diesen langen Zeitraum eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Bauphysikalisch überzeugt das Prinzip der Strahlungsheizung durch die direkte Erwärmung der raumumschließenden Bauteile, sodass keine thermischen Komfortdefizite oder kalte Zonen entstehen. Weil die speicherfähigen Massivbauteile die gefühlte Behaglichkeit signifikant erhöhen, kann die Raumlufttemperatur ohne Komfortverlust abgesenkt werden. Das senkt die Transmissionswärmeverluste effektiv. Zudem reagiert das System ohne thermische Trägheit unmittelbar auf solare Gewinne, die durch die großen Fensterflächen entstehen.

Evaluierung: Gemessener Jahresverbrauch übertrifft alle Erwartungen

Die Hochschule Konstanz hat die realen Energieverbräuche im Rahmen von Forschungsprojekten über mehrere Jahre messtechnisch erfasst. Die Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Begleitforschung sind bemerkenswert, denn der gemessene Jahresverbrauch für die Raumheizung von lediglich 17 Kilowattstunden pro Quadratmeter hat alle Erwartungen weit übertroffen. Dieser reale Verbrauchswert wurde im regulären Betrieb im Jahr 2022 dokumentiert, womit das Gebäude ein energetisches Niveau auf Augenhöhe mit klassischen Effizienzhäusern erreicht. In Kombination mit dem Strombedarf für Warmwasser und Lüftung bleibt die Gesamtstromaufnahme der Haustechnik extrem niedrig. Da dieser Bedarf bilanziell vollständig durch den Ertrag der hauseigenen Photovoltaikanlage gedeckt wird, erreicht das Gesamtkonzept eine ausgeglichene solare Jahresbilanz für die gesamte Gebäudetechnik.

Wirtschaftlichkeit: Maximale Reduktion von Investition und Montageaufwand

Die ökonomischen Vorteile dieses Low-Tech-Ansatzes verändern die Kostenstruktur im Wohnungsbau elementar. Die reinen Installationskosten der Infrarotheizung betragen weniger als vierzig Prozent der Kosten, die für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe inklusive Flächenheizung anfallen würden. Der Entfall von Rohrleitungsnetzen, zentralen Wärmeerzeugern und hydraulischem Abgleich vereinfacht die Bauausführung radikal, sodass teure Technikflächen im Gebäude nicht mehr benötigt werden. Die Fachplanung beschränkt sich im Wesentlichen auf die elektrische Dimensionierung und die Leitungsführung, was den Aufwand für die Büros minimiert. Da sich der Montageaufwand auf wenige Deckenelemente und Steckverbindungen reduziert, verkürzt sich die Ausbauphase im Gewerk Heizung drastisch. Auch im Betrieb ergeben sich signifikante Vereinfachungen, weil keine Kosten für Wartung, Schornsteinfeger oder Messdienstleister anfallen. Die Bewohner rechnen ihren Heizstrom direkt mit dem Energieversorger ab, wodurch eine komplexe Heizkostenabrechnung komplett entfällt. Das K76 liefert damit einen belastbaren Nachweis, dass klimagerechter und wirtschaftlicher Wohnungsbau durch konsequente Systemreduktion machbar ist.

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