Bewegungsfugen durchtrennen Gebäudeteile oder Belagsfelder und sind beispielsweise im Übergang von Wand zu Boden sowie bei Belagswechsel zu finden. Die DIN 52460 definiert sie als den „beabsichtigten oder toleranzbedingten Raum zwischen zwei oder mehreren Bauteilen“. Die Funktion: Bewegung zwischen Bauteilen zulassen und damit Spannungen vermeiden. Die Fugenart, -breite und -lage richtet sich nach dem Bewegungspotential. Um Schäden zu vermeiden sind Bewegungsfugen sorgfältig zu planen, auszuschreiben und auszuführen.
Bewegungen können durch Temperaturveränderungen oder unterschiedliche mechanische Belastungen der Bauteile entstehen. Aber auch schon während des Abbindens mineralischer Baustoffe durch das Trocknungsverhalten und die damit verbundenen Volumenveränderungen (meistens Schwinden). Dabei treten Formveränderungen teilweise gleichzeitig auf und addieren sich. Bewegungsfugen zur Spannungsvermeidung sind zwingend erforderlich, häufig jedoch ein notwendiges „Übel“, wenn sie inmitten von Flächen anzuordnen sind, in denen eigentlich ein durchgängiger Oberbelag gewünscht ist. Durch die richtige Planung der Anordnung lassen sich die Bewegungsfugen jedoch gestalterisch sehr gut ins Gesamtbild integrieren.
Arten von Bewegungsfugen
Gebäudetrennfugen (auch Bauwerksfugen genannt) trennen unterschiedliche Gebäudesegmente und -abschnitte, trennen tragende und nicht tragende Bauteile und sind deckungsgleich aus der Unterkonstruktion im Belagsaufbau zu übernehmen. Da das Bewegungspotential zwischen Gebäudeteilen sehr groß sein kann, ist auch die Fugenbreite häufig entsprechend groß. Die Ausbildung erfolgt in der Regel mit einem Fugenprofil.
Feldbegrenzungsfugen unterteilen den Belag in Flächenabschnitte und limitieren damit mögliche Spannungen, die innerhalb des Belagsaufbaus entstehen können. Bei beheizten Konstruktionen mit mehreren Heizkreisen begrenzen sie die Heizkreisfelder.
Randfugen begrenzen den Belag sowie den Estrich im Übergangsbereich zu aufgehenden Bauteilen, wie z. B. Wänden und Pfeilern.
Fugen in Türdurchgängen trennen den Belag und Estrich zwischen einzelnen Räumen.
Scheinfugen sind Sollbruchstellen, die meist als sogenannte „Kellenschnitte“ ausgeführt werden, den Estrichquerschnitt lediglich zu 1/3 oder bis maximal zur Hälfte durchtrennen und der Aufnahme der Trocknungsverformung des Estrichs dienen. Sie werden nach ausreichender Trocknungszeit des Estrichs wieder geschlossen bzw. verharzt und müssen dann im Oberbelag nicht übernommen werden.
Planung der Bewegungsfugen
Bei der Festlegung von Feldgrößen, Fugenabständen und Fugenbreiten sind unterschiedliche Parameter zu berücksichtigen:
Art des Estrichbindemittels
(bspw. Zement oder Calciumsulfat)
Ausführung des Estrichs (beheizt oder unbeheizt)
Art des vorgesehenen Bodenbelags
Geometrie der Flächen
Beanspruchung durch Nutzlasten
und Temperaturänderung
Bei beheizten Estrichen werden für die Planung von Feldfugen gemäß „ZDB-Merkblatt – Beläge auf Zement- und Calciumsulfatestrichen“ (Stand 2022) folgende Richtwerte angesetzt:
Zementestrich beheizt, Seitenlänge max. 8 m
Calciumsulfatestrich beheizt, Seitenlänge max. 10 m
Möglichst gedrungene Felder
(Länge möglichst nicht größer als 2 x Breite)
Für unbeheizte Estriche gibt es keine konkreten Vorgaben. Es kann aufgrund der fehlenden thermischen Einwirkungen durch die Fußbodenheizung von größeren Feldflächen und Seitenlängen ausgegangen werden. (Abb. 4)
Die erforderliche Breite der Bewegungsfugen im Oberbelag ist in der Regel mit 5 – 10 mm anzusetzen (ausgenommen Gebäudetrennfugen). Gemäß ZDB-Merkblatt „Bewegungsfugen in Bekleidungen und Belägen“ (Stand 2022) kann die Fugenbreite rechnerisch bestimmt werden. Dies ist vor allem dann zu empfehlen, wenn erhöhte Temperaturunterschiede zu erwarten sind (z. B. bei Flächen mit starker Sonnenbestrahlung).
Neben der horizontalen Bewegung ist insbesondere im Bereich von hohen mechanischen Beanspruchungen sicherzustellen, dass die Fugen keine vertikale Verschiebung erfahren. Hierzu sind sogenannte Höhenversatzeisen einzusetzen, die den Estrich im Fugenbereich in vertikaler Richtung stabilisieren aber eine horizontale Verschiebung zulassen.
Je nach Belastung der Fläche sind unterschiedliche Fugenausführungen möglich. Die Bewegungsfuge kann sowohl mit spritzbaren Dichtstoffen gemäß „IVD Merkblatt – Abdichtung von Bodenfugen mit elastischen Dichtstoffen“ (Stand 2014) wie auch mit geeigneten Fugenprofilen geschlossen werden. Fugenprofile müssen exakt deckungsgleich über der Bewegungsfuge liegen und die Profilschenkel möglichst vollflächig auf die Fugenräder/-flanken gebettet werden.
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