Neue Möglichkeiten für die Brandbemessung von nachträglichen Bewehrungsanschlüssen

Vom Übergreifungsstoß bis zur Endverankerung: Lösungen für die gesamte Brandbemessung

© Hilti Deutschland AG

Brandschutzanforderungen sicher erfüllen

Nachträgliche Bewehrungsanschlüsse gehören heute zum Standardrepertoire im Hoch- und Ingenieurbau. Ob Deckenerweiterung, Stützenverlängerung, Treppenanschluss oder Decke-Wand-Verbindung: Übergreifungsstöße und Endverankerungen schaffen kraftschlüssige Verbindungen zwischen Bestands- und Neubeton. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Standsicherheit im Brandfall. Welche Feuerwiderstandsdauer nachzuweisen ist, ergibt sich aus Nutzung, Gebäudeklasse, Schutzzielen und den jeweils geltenden baurechtlichen Anforderungen. Die Spannweite reicht dabei von R30 bis R240. Für Planer bedeutet das, den Brandfall bereits frühzeitig in die Bemessung einzubeziehen. Was bei Raumtemperatur funktioniert, erfüllt nicht automatisch die Anforderungen unter Brandeinwirkung.

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Warum einbetonierte und nachträgliche Bewehrung nicht gleich behandelt werden können

Für einbetonierte Bewehrung stehen etablierte Bemessungsansätze und Tabellenwerte zur Verfügung. Diese basieren auf dem Verhalten von Beton und Stahl unter Brandeinwirkung. Nachträglich installierte Bewehrungsanschlüsse verhalten sich jedoch anders. Maßgebend ist das temperaturabhängige Verhalten des Verbundmörtels. Organische Injektionsmörtel verlieren ihre Verbundfestigkeit bei erhöhten Temperaturen deutlich früher als Beton oder Bewehrungsstahl. Die bekannten Tabellenwerte für einbetonierte Bewehrung können deshalb nicht einfach übertragen werden. Entscheidend sind die in der jeweiligen ETA hinterlegten temperaturabhängigen Verbundkennwerte sowie das tatsächliche Temperaturprofil entlang des Anschlusses. Eine produktspezifische Betrachtung ist daher unverzichtbar.

Übergreifungsstöße im Brandfall wirtschaftlich bemessen

Bei Übergreifungsstößen erfolgt die Bemessung grundsätzlich nach Eurocode 2. Für den Brandnachweis werden die Verbundkennwerte der jeweiligen ETA unter Berücksichtigung der Temperaturbeanspruchung verwendet. Besonders interessant sind Anwendungen mit hohen Feuerwiderstandsklassen oder begrenzten Bauteilabmessungen. Hier kann die Wahl des Injektionssystems einen wesentlichen Einfluss auf die erforderliche Verankerungs- beziehungsweise Übergreifungslänge haben.

Eine besondere Stellung nimmt dabei HIT-FP 700-R ein. Als derzeit einziger zementbasierter Injektionsmörtel am Markt basiert das System auf einem anorganischen Bindemittel (Stand Oktober 2026). Dadurch verhält es sich unter hohen Temperaturen deutlich näher an einbetonierter Bewehrung als organische Mörtelsysteme. Während viele organische Systeme bei steigender Temperatur schnell an Verbundfestigkeit verlieren, bleibt die Tragfähigkeit von HIT-FP 700-R auch bei hoher thermischer Beanspruchung vergleichsweise stabil. Für temperaturkritische Anwendungen und Übergreifungsstöße mit hohen Feuerwiderstandsanforderungen kann dies eine technisch und wirtschaftlich attraktive Lösung darstellen.

Neue Nachweismöglichkeiten für Endverankerungen

Lange Zeit konzentrierte sich die Brandbemessung nachträglicher Bewehrungsanschlüsse auf Übergreifungsstöße und gelenkige Endverankerungen. Mit der neuen EOTA TR 069 steht erstmals ein anerkannter Bemessungsansatz für momententragende Endverankerungen unter Brandeinwirkung zur Verfügung. Dadurch können nun auch biegesteife Anschlüsse im Brandfall nachgewiesen werden. Neben dem Stahlversagen werden zusätzlich Betonausbruch, Verbundversagen und Spaltversagen berücksichtigt. Damit schließt die Richtlinie eine wesentliche Lücke in der Planung nachträglicher Bewehrungsanschlüsse.

Für diese Anwendungen stehen mit HIT-RE 500 V4 und HIT-HY 200-R V3 die ersten Systeme (Stand Oktober 2026) mit entsprechender ETA für die Brandbemessung nach EOTA TR 069 zur Verfügung. Sie ermöglichen den Nachweis momententragender Endverankerungen auch unter Brandbeanspruchung und schaffen damit zusätzliche Planungsspielräume bei komplexen Anschlussdetails.

Ein Portfolio für die Brandbemessung nachträglicher Bewehrungsanschlüsse

Die Anforderungen an nachträgliche Bewehrungsanschlüsse sind so unterschiedlich wie die Projekte selbst. Für wirtschaftliche Standardanwendungen steht HIT-HY 170 zur Verfügung. HIT-HY 200-R V3 deckt leistungsfähige Standardanwendungen sowie Anwendungen nach EOTA TR 069 ab. HIT-RE 500 V4 eignet sich insbesondere für hohe Lasten und große Verankerungstiefen. Für temperaturkritische Anwendungen und Übergreifungsstöße unter Brandbeanspruchung bietet HIT-FP 700-R besondere Vorteile. Damit steht für alle wesentlichen Anwendungsfälle der Brandbemessung, vom klassischen Übergreifungsstoß bis zur momententragenden Endverankerung, eine passende Lösung zur Verfügung. Unterstützung bei der Auswahl und Bemessung bietet PROFIS Engineering. Mithilfe neuer Brandsimulationen können Temperaturprofile bis R240 berücksichtigt und unterschiedliche Systeme technisch wie wirtschaftlich verglichen werden.

Whitepaper herunterladen, mit PROFIS Engineering starten und Bemessungspotenziale nutzen

Die Brandbemessung nachträglicher Bewehrungsanschlüsse entwickelt sich aktuell dynamisch weiter. Neue Bemessungsansätze nach EOTA TR 069, produktspezifische Brandkennwerte und digitale Bemessungswerkzeuge eröffnen zusätzliche Möglichkeiten für normgerechte und wirtschaftliche Lösungen. Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, findet im Whitepaper zur Brandbemessung nachträglicher Bewehrungsanschlüsse sowie in PROFIS Engineering weiterführende Informationen, Bemessungshilfen und Anwendungsbeispiele.

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