Mythen-Check: Wärmepumpeneinsatz in größeren Wohnanlagen
Wärmepumpen in größeren Wohnanlagen: Markus Kolitsch, Vertriebsleitung Pre-Sales bei KERMI, erklärt die häufigsten Irrtümer und zeigt, worauf es bei der Umsetzung ankommt.
Mythos 1: Die Heizleistung von Wärmepumpen reicht für größere Wohnanlagen nicht aus.
Frage: Im Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern gehören Wärmepumpen inzwischen oft zum Standard. Im Mehrfamilienhaus sind sie im Vergleich dazu noch seltener. Können Wärmepumpen den Wärmebedarf größerer Gebäude überhaupt zuverlässig decken? Markus Kolitsch: Wärmepumpen gibt es in sehr unterschiedlichen Leistungsstufen, um den vielfältigen Anforderungen im Bausektor gerecht zu werden. Am bekanntesten sind die Modelle für Ein- oder Zweifamilienhäuser, aber es stehen auch Großwärmepumpen zur Verfügung. Diese sind entsprechend auf die hohen Leistungsanforderungen großer Gebäude ausgelegt. Mein Tipp: Flexibler und effizienter ist es, den Wärmebedarf größerer Gebäude nicht mit einer einzigen Großwärmepumpe, sondern mit mehreren kleineren Geräten in einer sogenannten Kaskade zu decken. Bei KERMI lassen sich auf diese Weise zum Beispiel bis zu fünf Luft/Wasser-Wärmepumpen x-change dynamic pro XL kombinieren und Leistungsanforderungen bis 150 kW abdecken. So stellen hohe Leistungsspitzen im Tagesverlauf kein Problem dar. Der Vorteil von diesem Ansatz ist, dass die Leistung durch Abschalten einzelner Wärmepumpen flexibel angepasst werden kann, wenn der Bedarf zu anderen Zeiten geringer ist. Das führt zu einem effizienten, sparsamen Betrieb der gesamten Anlage – gerade auch in größeren Wohnanlagen mit schwankendem Wärmebedarf. Zudem erhöht sich die Ausfallsicherheit: Fällt eine einzelne Wärmepumpe aus, können die übrigen Geräte weiterhin Wärme liefern.
Mythos 2: Wärmepumpen eignen sich nicht für Bestandsgebäude
Frage: Ein großer Fokus im Wohnungsbau liegt auch auf der Modernisierung des Gebäudebestands. Können Wärmepumpen in bestehenden Gebäuden tatsächlich alte Gas- oder Ölheizungen wirtschaftlich ersetzen und für die benötigte Wärme sorgen? Markus Kolitsch: Ein Hauptproblem bei der Modernisierung im Gebäudebestand liegt oft darin, dass bestehende Heizsysteme auf hohe Vorlauftemperaturen ausgelegt sind. Viele vorhandene Heizkörper benötigen Temperaturen deutlich über 50 Grad, um die Räume angenehm zu heizen. Wärmepumpen hingegen arbeiten in der Regel mit deutlich niedrigeren Vorlauftemperaturen. Grundsätzlich können sie meist zwar höhere Temperaturen liefern, doch das hat zur Folge, dass die Effizienz sinkt und der Stromverbrauch steigt. Unsere Empfehlung ist daher, das Heizsystem gezielt auf den Einsatz von Wärmepumpen vorzubereiten, damit diese möglichst effizient arbeiten können: Der Wärmepumpen-Heizkörper x-flair von KERMI z.B. sorgt durch die Kombination aus energiesparender x2-Technologie und einem integrierten Lüftersystem für eine schnelle Erwärmung und hohen Wärmekomfort bereits ab Vorlauftemperaturen von 35 °C. So kann im Vergleich zu klassischen Flachheizkörpern beim Typ 22 45 %, in der dreilagigen Variante (Typ 33) sogar bis zu 80 % mehr Leistung bei gleicher Größe erreicht werden. Praktisch – speziell bei Sanierungsprojekten: Der Wärmepumpen-Heizkörper lässt sich dank vielfältiger Anschlussvarianten problemlos an die vorhandenen Anschlüsse der alten DIN-Radiatoren montieren. Das erspart aufwendige Umbauarbeiten oder den kompletten Wechsel auf eine Flächenheizung – ein enormer Zeitvorteil, wenn viele Wohneinheiten umgerüstet werden sollen. Mit der richtigen Planung und abgestimmter Technik können Wärmepumpen heute somit auch im Bestand eine wirtschaftliche und zuverlässige Lösung sein. Wichtig bleibt dabei aber zusätzlich, dass das Gebäude insgesamt gut gedämmt ist.
Mythos 3: Wärmepumpen sind laut und stören Be- und Anwohner.
Frage: Auch die Akzeptanz der Heiztechnologie durch die Bewohner spielt für Wohnungsbaugesellschaften eine entscheidende Rolle. Wie steht es um die Geräuschentwicklung von außenaufgestellten Wärmepumpen – muss hier mit Beschwerden der Bewohner gerechnet werden? Markus Kolitsch: Diese Sorge ist heute weitgehend unbegründet. Dank effektiver Schall- und Schwingungsdämpfung arbeiten moderne Wärmepumpen besonders leise. Bei den Luft/Wasser-Modellen x-change dynamic pro wurde bei der Entwicklung in Plattling sehr großer Wert auf minimale Geräuschentwicklung gelegt. Zusätzlich kann bei sehr engen Bebauungen auch ein schallreduzierter Betrieb aktiviert werden, der die Schallemissionen noch weiter reduziert. So lassen sie sich in der Regel problemlos im Außenbereich aufstellen, ohne dass Nachbarn oder Bewohner sich gestört fühlen. Aber abgesehen von der Gerätetechnik hat der Aufstellort sehr großen Einfluss auf die Immissionssituation. Daher ist es grundsätzlich sinnvoll, Wärmepumpen möglichst weit entfernt von Schlaf- oder Ruheräumen zu planen und darauf zu achten, dass der Aufstellbereich nicht von Mauern, Wänden oder Vordächern umgeben ist.
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