Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch

Lehrstück

Zum Beruf des Mimen gehört eine ordentliche Portion Exhibitionismus. Dass die Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch diesem Drang den geeigneten Raum gibt, ist nur konsequent. Die institutionalisierte Improvisation und das ewig Unfertige werden zu Leitmotiven eines herausragenden baulichen Lehrstücks. Hörmann lieferte stumpfeinschlagende Stahl-Feuerschutztüren.

O&O Baukunst entwarfen den neuen Standort der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Besonders der Bühnenturm mit „Holzgatter“-Fassade setzt sich optisch ab. Hörmann lieferte für das Bauvorhaben Stahl-Feuerschutztüren. Bildquelle: …
© Hörmann

O&O Baukunst entwarfen den neuen Standort der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Besonders der Bühnenturm mit „Holzgatter“-Fassade setzt sich optisch ab. Hörmann lieferte für das Bauvorhaben Stahl-Feuerschutztüren. Bildquelle: © HörmannErnst Busch war Nationalpreisträger der DDR – und die nach ihm benannte staatliche Schauspielschule eine Kaderschmiede der sozialistischen Bühnenkultur. Für die bundesdeutsch gewordene „Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch“ entwarfen O&O Baukunst nun einen neuen und zentralen Standort in Berlin Mitte. Sie nutzten dafür einen Altbau, der einst als Werkstatt der Oper diente. Das Ziel des Entwurfes war eindeutig. Es sollte sichtbar werden, „wie Theater funktioniert“ – für angehende Schauspieler, Regisseure, Dramaturgen und Puppenspieler ein naheliegendes pädagogisches Ziel. Vor allem aber wird der Nachbarschaft vorgeführt, „wie Theater geht“. Denn die Hochschule im Scheunenviertel steht im Inneren eines Berliner Blocks und ist umstellt von den nichtssagenden neuen Wohnblocks der Wohlhabenden und Zugezogenen. O&O Baukunst ergänzten dort den eher unscheinbaren Altbau aus den 1950ern um einen Bühnenturm – mit eindeutiger Signalwirkung in die bürgerliche Umgebung – und das seitlich eingesteckte Café.

Im Inneren der Hochschule für Schauspielkunst wird die gatterartige Fassade des Bühnenturms fortgeführt.Bildquelle: © Hörmann
Im Inneren der Hochschule für Schauspielkunst wird die gatterartige Fassade des Bühnenturms fortgeführt. Bildquelle: © Hörmann
Offenheit ist ein zentrales Themas des Entwurfes: Die unterschiedlichen Funktionsbereiche sind nicht räumlich, sondern optisch voneinander getrennt.© Hörmann
Offenheit ist ein zentrales Themas des Entwurfes: Die unterschiedlichen Funktionsbereiche sind nicht räumlich, sondern optisch voneinander getrennt. © Hörmann

Übersetzter Kulissenbau

So richtig fertig sieht hier nichts aus – und das ist sowohl Absicht als auch Resultat eingeschränkter Budgets. Die technischen An- und Aufbauten des Bühnenturms werden durch ein grobes Holzgatter bewusst nur notdürftig überdeckt und homogenisiert. All jenen, die nun von ihren Balkons oder durch die Zufahrtslücke von der Straße aus ins Innere des Blocks blicken, wird so klargemacht, dass hier nichts entsteht, was länger als eine Theaterspielzeit Bestand hat. Die Architektur ist ins Dauerhafte übersetzter Theater-Kulissenbau mit verlängerter Standzeit. Im Inneren setzt sich dieser ostentativ inszenierte Blick hinter die Theatervorhänge fort. Vom Foyer aus führt eine zentrale Achse durch ein Gebäude, dessen Oberflächen bestenfalls bis zur Greifhöhe bearbeitet wurden. Der Beton des Altbaus unter den heruntergerissenen Deckenverkleidungen bleibt offen sichtbar, der neue Beton sieht aus, als sei er eben erst der Schalung entkommen. Wo es ein bröseliges Mauerwerk gibt, da bleibt es offenherzig unbehandelt. Als gestalterischer Gegenpol wirken da die stumpfeinschlagenden Stahlblechtüren von Hörmann. Die in Anthrazit gehaltenen T30 und T90 Türen sowie Mehrzwecktüren stechen auffällig hervor und bilden zeitgleich durch ihre Flächenbündigkeit eine ruhige Einheit.

Viele der genutzten Baustoffe sind unbehandelt und wirken wie ein Provisorium in der 2018 fertiggestellten Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. © Hörmann
Die stumpfeinschlagenden Stahlblechtüren von Hörmann bilden einen gestalterischen Gegenpol zum unbehandelten Mauerwerk und Beton. © Hörmann

„Story telling“

Die zentrale Erschließungsachse im Erdgeschoss der alten Opernwerkstatt öffnet Schülern und Besuchern durch schaufenstergroße Scheiben den Blick auf das Puppentheaterinventar und den Theaterfundus. Der Bühnenturm wird im Inneren durch dasselbe Holzgatter akzentuiert, das auch außen als Statement dient. Das provisorische und nicht an den Zeitgeist Gebundene dieser Architektur kommt auf eine angemessene Weise uneitel daher. Und überall, wo es vielleicht doch zu prätentiös werden könnte, da wird das Unfertige zur Entwurfsmethode. Die unbehandelten Sperrholzplatten der Treppen hätte es sicher auch ohne ausgefranste Kanten gegeben. Und ob die Spachtelung der Gipskartonplatten in der zentralen Achse nun aus Zeitgründen nicht   (oder noch nicht) mit etwas Dispersionsfarbe überstrichen wurde oder ob dies eher gleichfalls zum Luxus des Unfertigen zählt, bleibt angenehm offen. Im klassischen Ladenbau nennt sich diese Methode des Kulissenbaus „Story telling“. Dem Kunden wird baulich eine üblicherweise erfundene Geschichte erzählt. Dergleichen in einer Theaterschule zu tun ist nur logisch. Denn der „schöne Schein“ soll im Theater ja vor allem im Foyer, im Zuschauerraum und auf der Bühne seine Wirkung tun. Wie es auf der Rückseite der Kulissen aussieht, geht dagegen niemanden etwas an – außer all jene, die das Schauspiel für einen Abend zur Wirklichkeit werden lassen.

Das Treppenhaus aus Beton wirkt wie eine grob behauene Skulptur.© Hörmann
Das Treppenhaus aus Beton wirkt wie eine grob behauene Skulptur. © Hörmann
Durch die lediglich gesäuberten Oberflächen des Bestands stechen die stumpfeinschlagenden STS-Türen von Hörmann als Gestaltungselemente hervor.© Hörmann
Durch die lediglich gesäuberten Oberflächen des Bestands stechen die stumpfeinschlagenden STS-Türen von Hörmann als Gestaltungselemente hervor. © Hörmann
Lichtausschnitte in den Stahlblechtüren von Hörmann geben den Blick in den dahinter liegenden Flur frei.© Hörmann
Lichtausschnitte in den Stahlblechtüren von Hörmann geben den Blick in den dahinter liegenden Flur frei. © Hörmann

Standort: Zinnowitzer Straße 11, 10115 Berlin, DE

Bauherr: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, Berlin, DE

Architekt: O&O Baukunst, Berlin, DE

Bauingenieur: fd-ingenieure, Berlin, DE

Brutto-Grundfläche: 16.200 m²

Nutzfläche: 8900 m²

Brutto-Rauminhalt: 78.135 m³

Kosten: 44,65 Mio. Euro

Fertigstellung: 2018

Fotos: Stephan Falk, Berlin, DE

Schörghuber Verarbeiter: KAEFER Construction, Berlin, DE

Hörmann Produkte: Stahlblechtüren STS T30, STS T90, STS MZ, Stahleckzargen, 2-geteilte Stahlumfassungszargen mit Laschen-Klemm-Befestigung zum nachträglichen Einbau

Schörghuber Produkte: T30 Brandschutztüren mit Schallschutz Rw,P = 32 dB, 37 oder 42 dB, Schallschutztüren 1- und 2-flügelig Rw,P = 32 dB, 37, 42 und 48 dB, T90 Brandschutztüren mit Schallschutz Rw,P = 32 dB, Schallschutztüren Rw,P = 42 dB mit Lichtausschnitt, T30 Brandschutztüren 1- und 2-flügelig, teilweise mit Lichtausschnitt in Kombination mit F30 Festverglasungen, F30 Festverglasungen, Vollspanschiebetüren, Nassraumschiebetüren, Massivholzstockzargen, Holzfutterzargen.


 

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