Energiezentrale Darmstadt: Eine Aluminiumfassade, die mit dem Licht wandert
Sonderlamellen in Rotbraun
Am südlichen Zugang zum Ludwigshöhviertel in Darmstadt, an der Ecke Ludwigshöhstraße / Kalksteinstraße, steht die Energiezentrale der entega AG. Das Grundstück ist kein einfaches: Es läuft spitz zu, eingeklemmt zwischen zwei Straßenverläufen. Der Entwurf von fs|architekten macht aus dieser Zwangslage seine Stärke und setzt dabei von Anfang an auf eine Aluminiumfassade, die mehr leisten muss als nur Hülle zu sein.
Aluminium-Lamellenfassade: Eine Hülle, die sich beim Vorbeifahren verändert
Statt einer geraden Kante folgt der Baukörper mit gerundeten Ecken der Straßenführung. Bekleidet ist er mit Aluminium-Lamellen in Sonderanfertigung, ausgeführt in einem dunklen Rotbraun nach RAL 8012. Die Tiefe der einzelnen Lamellen erzeugt ein ständiges Wechselspiel aus Licht und Schatten. Aus dem Auto betrachtet wirkt das Volumen mal schlank, mal kompakt, je nach Blickwinkel verändert sich die Wahrnehmung der gesamten Kubatur.
Das Gelände als Entwurfswerkzeug
Richtung Ludwigshöhstraße fällt das Grundstück um etwa zwei Meter ab. Diesen Versatz nutzten die Architekten für eine Teilunterkellerung. An der höchsten Stelle misst das Gebäude rund acht Meter über Geländeoberkante, innen öffnet sich ein Luftraum von über zehn Metern. Das Pultdach läuft gegen das Gefälle, sodass die Energiezentrale zur Straße zweigeschossig wirkt, zur Nachbarschaft hin aber nur eingeschossig bleibt. Auf dem Dach erzeugt eine Photovoltaikanlage einen Teil des Strombedarfs für den Betrieb.
Ein Eingang, der die Technik zeigt statt sie zu verstecken
Der Zugang liegt geschützt auf der straßenabgewandten Seite, hinter einem Einschnitt im Baukörper. Eine große, für Wartungsarbeiten ausbaubare Glasfront bringt Tageslicht ins Gebäude und gibt zugleich den Blick auf die Anlagentechnik frei – Funktion wird hier nicht versteckt, sondern ausgestellt.
Metallfassade trifft Industriegeschichte
Konstruktiv kombiniert das Gebäude Stahl und Aluminium. Ihr Rotbraunton ist eine bewusste, aber zurückhaltende Anspielung auf die Backsteinbauten früherer Industrieanlagen, während die schlanke Lamellenstruktur und die saubere Verarbeitung das Gebäude klar in der Gegenwart verorten. So entsteht ein Material-Spannungsbogen, der alt und neu nicht gegeneinander, sondern miteinander denkt.
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