Ein Spieltempel
Kindergarten in Horn, Schweiz
Lukas Imhof Architektur
Der Wettbewerb in Horn am Bodensee, den Lukas Imhof und sein Team 2014 für sich entschieden, illustriert perfekt, wie das Büro mit vorhandener Bausubstanz umgeht. Die Aufgabe umfasste ein Konzept für Sanierung und Anbau einer bestehenden Anlage inklusive Mehrzweckhalle, Hauswirtinnenwohnung und einem komplett neuen Kindergarten. Der Umbau erfolgte von 2014 bis 2018, der Neubau wurde jedoch per Bürgerabstimmung zunächst gestoppt – erst 2020 merkten die Einwohner den akuten Fehlbedarf und genehmigten den Bau schließlich doch.
Inspiration aus dem Bestand
Der Neubau greift gezielt Elemente des ursprünglichen Ensembles auf: Das ikonische, freitragende Betondach mit „Kindergarten“-Beschriftung und die dunkle, robuste Optik spiegeln die vorhandene Ästhetik wider. Am südlichen Fußballfeldrand, neben einem Pfad an den Gleisen gelegen, schließt ein kleiner, eingefriedeter Gartenbereich mit Spielmöglichkeiten und Wiese – die mit der Zeit immer dichter bewächst – nahtlos über Terrasse und bodentiefe Verglasung an den Innenraum an.
Raumlösung und Moderne
Das Wettbewerbsprogramm forderte einen dominanten Zentralraum mit Nebenräumen. Lukas Imhof orientierte sich an frühen Modernen-Raumtypen und assoziierte Begriffe wie Hauptraum, Bastel- oder Familiennische mit der Reformarchitektur-Halle inklusive Nebennischen – höher als die umliegenden Räume und Ersatz für klassische Salons.
„Das Projekt entstand aus unterschiedlichen Überlegungen und architekturhistorischen Einflüssen, in denen wir räumliche Qualitäten entdeckten – was für die Kinder keine Rolle spielt. Entscheidend ist, dass ein stimmiges Gebäude geschaffen wurde: eine neue, zeitgemäße Raumgestalt, die die Ansprüche moderner Pädagogik erfüllt und in der sich Kinder und Betreuer:innen wohlfühlen.“ Lukas Imhof
© siehe Bilder
Tageslichtkonzept
Das Licht von oben prägt die Atmosphäre des Hauptraums im Kindergarten maßgeblich. Für Lukas Imhof Architektur ist es nicht das erste Projekt mit VELUX Produkten – wohl aber das erste, in dem diese eine tragende Rolle im Entwurf übernehmen und zu einem zentralen Gestaltungselement werden.
Elf runde Oberlichter gliedern den zentralen Raum rhythmisch, ergänzt durch drei quadratische Öffnungen in den Nebenräumen. Ihre Anzahl und Anordnung folgen dabei keiner technischen Notwendigkeit, sondern einer konsequent ästhetischen Entscheidung – mit überzeugendem Ergebnis: Die Lichtwirkung im Raum spricht für sich.
Eine gestalterische Raffinesse zeigt sich in einem Detail, das leicht übersehen werden könnte: Zwischen den Lichtöffnungen bleibt die Decke vollkommen ruhig und eben – weder Leuchten noch Lüftungselemente stören die klare Geometrie. Ursprünglich hatte Lukas Imhof runde Oberlichter vorgesehen. Schließlich entschied er sich für die bewährte, quadratische Variante von VELUX – ohne jedoch seinen Wunsch nach Kreisformen aufzugeben. Eine eigens entwickelte Übergangsform vermittelt elegant zwischen der quadratischen Fensterbasis und der runden Öffnung im Innenraum.
„Das Licht von oben ist optimal – tagsüber braucht es kaum künstliche Beleuchtung. Bei starker Sonne sorgt die Verschattung der VELUX Dachflächenfenster für angenehmes Licht.“ Lukas Imhof
Der Kindergarten Horn überzeugte auch die Jury des VELUX Architektur-Wettbewerb 25, die ihn mit dem zweiten Platz auszeichnete.
Jurystatement:
Die ruhige Einfachheit, die der Kindergarten Horn ausstrahlt, zieht sich durch alle Facetten des Baus. Unterschiedliche Höhen, Farben, Materialien und Lichtqualitäten gliedern den Raum und geben ihm Halt. Das Wechselspiel aus Großraum und Rückzugsnischen erzeugt eine Vielzahl von Nutzungsoptionen für unterschiedliche Bedürfnisse. Tageslicht erhält der zentrale Raum auf zwei Wegen: Die raumhohen Verglasungen sind Raumabschluss und eleganter Übergang zwischen innen und außen zugleich.










