Die fünfte Fassade: Absturzsicherung, die sich der Architektur anpasst
Ein Referenzprojekt aus Düsseldorf zeigt, wie sich Absturzsicherung nahezu unsichtbar in eine anspruchsvolle Architektur integrieren lässt – am Beispiel der Theodor-Litt-Realschule.
Die fünfte Fassade als Sicherheitsaufgabe
Vier Fassaden hat jedes Gebäude: Nord, Ost, Süd und West. Der Gedanke, auch das Dach als vollwertige – fünfte – Fassade zu begreifen, reicht bis zu Le Corbusiers „Fünf Punkten zu einer neuen Architektur“ von 1923 zurück, in denen der Dachgarten erstmals als Aufenthaltsort galt. Sobald ein Dach begehbar wird – etwa für Wartungsarbeiten an Photovoltaik-Anlagen oder Gebäudetechnik – wird diese fünfte Fassade zur planerischen Herausforderung. Absturzsicherung ist dabei häufig die entscheidende Stellschraube: Sie muss höchste Sicherheitsstandards erfüllen, ohne die architektonische Wirkung der Fassade zu stören. Am Beispiel der Theodor-Litt-Realschule in Düsseldorf zeigt sich, wie sich ein durchgängiges Sicherungskonzept unauffällig in eine anspruchsvolle Architektur einfügen lässt.
Ausgangslage: ein Ersatzneubau mit anspruchsvoller Geometrie
Für die Theodor-Litt-Realschule realisierte die assmann gruppe einen viergeschossigen Ersatzneubau für rund 700 Schülerinnen und Schüler. Prägend für das Erscheinungsbild ist eine helle Klinkerfassade mit markanten, horizontalen Bändern und durchgehend abgerundeten Außenecken. Da das Dach regelmäßig für Wartungsarbeiten begangen wird, war ein Absturzsicherungssystem gefragt, das sich exakt an die fließende Fassadengeometrie anpasst – ohne Kompromisse bei Sicherheit oder Optik.
Die Herausforderung: Sicherheit an geschwungenen Kanten
Klassische Seilsicherungssysteme stoßen an abgerundeten Fassaden schnell an ihre Grenzen: Enge Radien erfordern häufig ein Umhängen des Karabiners an Zwischenhaltern – eine Arbeitserschwernis und ein potenzielles Sicherheitsrisiko für das Wartungspersonal. Zugleich sollten die Sicherungskomponenten vom Boden aus möglichst unsichtbar bleiben, um die klare Formensprache der Fassade nicht zu stören. Gefragt war also ein System, das eine hohe Belastbarkeit, eine durchgängige Sicherung und eine dezente Integration in die Architektur in einem Konzept vereint.
Die Lösung: das überfahrbare Seilsicherungssystem ABS-Lock SYS IV
Zur Erfüllung dieser Anforderungen wurde ein durchgängiges Sicherungskonzept auf Basis des überfahrbaren Seilsicherungssystems ABS-Lock SYS IV aus hochwertigem Edelstahl umgesetzt. Spezielle Kurvenelemente ermöglichen es, dass der Seilgleiter der Linienführung der Dachkante ohne Unterbrechung folgt. Ein Lösen und Umhängen des Karabiners ist über die gesamte Distanz nicht notwendig. Als Anschlagpunkte kommen die schlanken Anschlageinrichtungen ABS-Lock III-BE Pro-16 und Pro-24 zum Einsatz: Sie werden direkt in der Dachkonstruktion verankert, dienen als stabile End- und Zwischenhalter für das Seilsystem und bleiben dabei vom Boden aus nahezu unsichtbar.
Vorteile für Planung und Verarbeitung
Für Architekt:innen und Planer:innen bedeutet das durchgängige System einen doppelten Gewinn: Die Erfüllung der Absturzsicherungsrichtlinien macht das Dach zu einem rechtssicher nutzbaren Bereich, während das schlanke System die Ästhetik des Gebäudes vollständig bewahrt. Für Verarbeiter ermöglichen die aufeinander abgestimmten Systemkomponenten eine schnelle Montage auf Beton-Untergründen, das kurvengängige Seilsystem passt sich ohne Sonderkonstruktionen an die fließende Architektur an, und bauaufsichtlich zugelassene Komponenten reduzieren Haftungsrisiken bei der Abnahme. Wartungsteams profitieren zudem von einer durchgehenden Sicherung ohne zeitraubendes Umhängen der Karabiner. Bauaufsichtlich zugelassen und normgeprüft, zeigt das Projekt exemplarisch, wie Absturzsicherung von Anfang an mitgedacht werden kann, ohne den architektonischen Anspruch der fünften Fassade zu beeinträchtigen.
Praxiswissen im November: die Planer Symposien
Wer tiefer einsteigen möchte, findet im November Gelegenheit dazu: Bei den kostenfreien Planer Symposien von ABS Safety und Partnern dreht sich am 02.11.2026 alles um „Flachdächer im Bestand: Sanieren, aufrüsten, schützen“, am 19.11.2026 um „Solare Energiegewinnung: Technische Lösungen für Neubau und Bestand“ – jeweils von 10:00 bis 13:00 Uhr.
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